Travelling on a Budget

Tag 11-13 | Stockholm – Amsterdam: Liebste Deutsche Bahn…

Tag 11-13 | Stockholm – Amsterdam: Liebste Deutsche Bahn…

Nachdem sich unsere Reisepläne nach Bergen als völlig utopisch rausgestellt haben, entscheiden wir direkt das danach eingeplante Ziel anzusteuern: Amsterdam. Das wir dabei auf die Menschlichkeit eines dänischen Schaffners angewiesen sind, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Nach einer interessanten - wenn auch nicht grade traditionellen - Midsommarnacht geht es von Stockholm wieder in Richtung Süden. Wir nehmen den Zug nach Kopenhagen und erreichen die dänische Hauptstadt nach etwas mehr als fünf Stunden. Merkwürdig wieder hier zu sein! Nach unserer Pleite mit Bergen haben wir uns dieses Mal vorher informiert und wissen, dass es einen von der dänischen und deutschen Bahn in Kooperation betriebenen Nachtzug nach Amsterdam gibt. Der kostet uns zwar rund 13 Euro Reservierungsgebühr, das ist für eine gesparte Übernachtung aber passabel.

Stille Nacht...

Im Zug machen wir es uns in einem kleinen Abteil gemütlich haben und haben nette Gesellschaft von zwei Mädels, die auch auf Interrail-Tour sind. Nach einem aufgeregten Austausch unserer Erfahrungen gönnen wir uns alle eine Runde Schlaf in den weichen Polstern. Mitten in der Nacht weckt uns ein deutsch-dänisches Schaffner-Dou und will unsere Fahrkarten sehen - klar, das hat ja auch seine Richtigkeit. Dann wird es allerdings ungemütlich.

Raus aus dem Zug!

Der deutsche Schaffner erklärt uns bitterernst, das unser Interrail-Ticket nicht für Fahrten durch Deutschland gilt, der Nachtzug aber auf seiner Fahrt nach Amsterdam unter Heimatland kreuzt. Das wissen wir, weshalb wir in Kopenhagen mindestens 10 Mal nachgefragt haben, ob wir den Zug nutzen können. Mit Reservierung kein Problem, war die Antwort der Bahnbediensteten dort. Dem Schaffner ist das egal, und er besteht darauf, uns mitten in der Nacht in einem kleinen Nest an der Grenze aus dem Zug zu werfen.

Der Fehler lag klar bei uns, wir hätten dem dänischen Bahnpersonal nicht vertrauen dürfen, erklärt er uns. Noch weniger nachvollziehbar ist allerdings seine Härte. Wir, zwei Frauen und damals grade einmal 20 Jahre jung, hätten wenigsten in einem etwas größeren Ort "ausgesetzt" werden können - mit der Chance, mitten in der Nacht noch irgendwo unterzukommen. Auch unser Angebot, für die Strecke nachzuzahlen, schlägt er aus.

Es geht auch menschlich

Zum Glück hat der freundliche deutsche Bahnbeamte seinen dänischen Kollegen mit im Gepäck. Der scheint deutlich pragmatischer und vor allem menschlicher angelegt zu sein. Nach einer kurzen heftigem Diskussion vor unserer Nase ziehen sich die beiden zurück, um die Sache zu klären. Gott sei Dank kann der Däne offensichtlicher Weise seinen Kollegen überzeugen, und das Unheil abwenden. Wir dürfen ausnahmsweise im Zug bleiben. Ein Auge kriegen wir in dieser Nacht aber nicht mehr zu.

Guten Morgen Amsterdam!

Amsterdam Fahrrad

Umso glücklicher sind wir, als wir am frühen Morgen in den Bahnhof von Amsterdam einfahren. Jetzt nur noch schnell zum Zeltplatz, und erstmal schlafen. Die Straßenbahn bringt uns in rund 25 Minuten zum Camping Zeeburg Amsterdam. Ein Ort, der uns nach diesem Trip wie das Paradies vorkommt. Überall freundliche Menschen, junge Familien und viele Twenty-Somethings. Ein kleiner Strand zum Baden, eine Bar und bunte Bauwagen zum Mieten. Ja, hier bleiben wir definitiv!

Nach einer kleinen Runde Schlaf in unserem Zelt würden wir eigentlich gerne noch etwas von Amsterdam sehen. Also mieten wir uns direkt auf dem Zeltplatz zwei Fahrräder und Radeln los Richtung Stadt. Langsam begreifen wir erst, wo wir überhaupt sind. Amsterdam! Unsere Gelassenheit kommt nach und nach zurück, wir Radeln durch diese wahnsinnig schöne Stadt, sind aber doch zu erschöpft um unseren Besuch so richtig zu genießen.

Das ist wirklich schade - aber wir lernen ganz sicher aus unserem "blinden" Vertrauen und kommen irgendwann nach Amsterdam wieder.

 

Im Überblick:

Stockholm - KopenhagenKopenhagen - AmsterdamALTERNATIVE: Kopenhagen - AmsterdamÜbernachtungFahrradverleih
1 Umstieg | Fahrzeit 5:20 | kostenfrei
Nightliner| Fahrzeit rund 14 Stunden | 13 Euro Reservierungsgebühr p.P. - Interrail eigentlich nicht zulässig
Flixbus | Fahrzeit rund 12 Stunden |ab 39 Euro p.P.
Camping Zeeburg Amsterdam | 9,50 Euro p.P.
Auf dem Platz | 11,50 Euro p.P. für 24 Stunden

+++ Edit ++++

Die Interrail-Tour liegt schon einige Jahre zurück. Die Serie soll dazu dienen, euch eine Vorstellung von unserer Route durch Nordeuropa zu geben. Alle Informationen wie Verbindungen und Preise sind 2017 auf ihre Aktualität geprüft, ihr könnt euch also auf die angegebenen Daten verlassen. Bitte entschuldigt Qualität und Masse des Bildmaterials - die Möglichkeiten waren damals noch etwas eingeschränkt.

Da der Nightliner inzwischen eingestellt wurde, ist es am sinnvollsten für diesen Streckenabschnitt auf den Flixbus umzusteigen. Er braucht für die Strecke von Kopenhagen nach Amsterdam ohne Umstieg ganze 2 Stunden weniger als der Nightliner damals, und ihr entgeht der Gefahr, an der deutschen Grenze aus dem Zug geworfen zu werden. Beispiel: Wenn ihr im 21:15 in Kopenhagen einsteigt, könnt ihr eine Gratis-Übernachtung im Bus verbringen und wacht am nächsten Morgen gegen halb 10 in Amsterdam auf. Top! Kostenpunkt: Ab 39 Euro. Das lohnt sich.



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